![]() | Schweizerische Interessengemeinschaft Histamin-Intoleranz (SIGHI) |
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Medikation bei Histamin-IntoleranzMedikamente können bei Histaminintoleranz ergänzend zur histaminreduzierten Ernährung (Eliminationsdiät) angewendet werden, wenn diese alleine für Beschwerdefreiheit nicht ausreicht, oder wenn vorübergehend die Eliminationsdiät nicht eingehalten werden kann. Einige Betroffene kommen ganz ohne Medikamente aus, andere sind trotz Eliminationsdiät auf medikamentöse Unterstützung oder sogar auf Dauermedikation angewiesen. "So wenig wie möglich, so viel wie nötig." Diesem Grundsatz folgend, sollte man sich nicht scheuen, die passenden Medikamente gezielt dann einzusetzen, wenn es Sinn macht. Welche Medikamente in welcher Situation zum Einsatz kommen, ist zu einem grossen Teil Erfahrungssache des Patienten und hängt auch von der aktuellen Histaminbelastung und vom geplanten Tagesablauf ab. Wir empfehlen, dass der Patient immer Zugriff auf mehrere für ihn geeignete Medikamentengruppen haben sollte, damit er diese fallweise einsetzen bzw. zuerst einmal Erfahrungen damit sammeln kann. Eine Histamin-Unverträglichkeit kann vielerlei Ursachen haben und oft bestehen gleichzeitig noch andere Unverträglichkeiten oder Erkrankungen. Nicht zuletzt ist auch dies bei der Wahl der Medikamente zu berücksichtigen. Man beachte unsere Hinweise zu Gesundheitsthemen! Lassen Sie sich durch eine Fachperson (Arzt, Apotheker) beraten und lesen Sie die Packungsbeilagen aufmerksam durch. AntihistaminikaHistamin ist ein Botenstoff, der seine Wirkung entfaltet, indem er an verschiedene Histaminrezeptoren andockt, ähnlich wie ein Schlüssel, der in bestimmte Schlösser passt und so einen bestimmten Mechanismus in Gang setzen kann. Bisher sind vier verschiedene Histaminrezeptoren bekannt, die mit H1 bis H4 bezeichnet werden. Antihistaminika wirken gegen histaminbedingte Symptome, indem sie spezifisch bestimmte Histaminrezeptoren blockieren. Sie decken bildlich gesprochen das Schloss zu, so dass der Schlüssel nicht mehr passt. Antihistaminika wirken also nicht direkt gegen das Histamin und können den Histaminspiegel im Körper nicht senken, sondern nur vorübergehend bestimmte Wirkungen des Histamins blockieren, bis die Wirkung des Antihistaminikums wieder nachlässt. Am wichtigsten sind die H1-Antihistaminika (= H1-Rezeptorantagonisten, H1-Rezeptorblocker), mit denen normalerweise die meisten Symptome unterdrückt werden können. Zusätzlich kann bei übermässiger Magensäureproduktion (Sodbrennen, saures Aufstossen) die Gabe eines H2-Antihistaminikums sinnvoll sein. H3- und H4-Blocker haben derzeit noch kaum therapeutische Bedeutung. Einige Antihistaminika sind rezeptfrei in Apotheken erhältlich, andere erhält man nur auf ärztliche Verschreibung. Die Wirkdauer von Antihistaminika ist abhängig vom verwendeten Wirkstoff. Typischerweise beginnt eine Einzeldosis nach ca. 30 bis 60 min zu wirken, hat nach ca. 3 h die maximale Wirkung erreicht und wirkt ungefähr einen Tag lang. Die älteren Antihistaminika (sogenannte Wirkstoffe der ersten Generation) haben die Fähigkeit, die Blut-Hirn-Schranke passieren zu können. Im Gehirn können sie eine sedierende Wirkung auf das Zentralnervensystem (ZNS) haben, d.h. sie können müde machen. Tagsüber kann dies eine unerwünschte Nebenwirkung sein. Vor dem zu Bett gehen eingenommen kann diese Klasse der Antihistaminika aber auch bewusst als Einschlafhilfe (Sedativum) genutzt werden. Neu entwickelte Antihistaminika (sogenannte Wirkstoffe der zweiten Generation) wurden so konzipiert, dass sie die Blut-Hirn-Schranke nicht oder nur geringfügig durchdringen können. Da sie das zentrale Nervensystem nicht erreichen können, verursachen sie kaum noch Müdigkeit. Im ZNS ist die HNMT der einzige Abbauweg für Histamin. Für Personen mit verminderter HNMT-Aktivität haben diese Antihistaminika der zweiten Generation deshalb den Nachteil, dass sie das Gehirn nicht vor in den Nervenzellen freigesetztem Histamin schützen können. Beispiele einiger Antihistaminika
Diaminoxidase (DAO), DAOSIN ®Anwendung und WirkungsweiseDer Mangel des Enzyms Diaminoxidase (DAO) im Darm kann etwas ausgeglichen werden, indem DAO etwa 15-30 Minuten vor einer Mahlzeit eingenommen wird, so dass sich die DAO im Verdauungstrakt verteilt. Das mit der Mahlzeit eingenommene Histamin wird dadurch bereits im Darmlumen (Lumen = Innenraum von Hohlorganen) grossenteils abgebaut, noch bevor es vom Körper aufgenommen werden kann. Das bisher einzige DAO-Präparat auf dem europäischen Markt ist Daosin der Firma SCIOTEC Diagnostic Technologies GmbH (www.sciotec.at). Daosin ist - in Kombination mit der unverzichtbaren Histamin-Eliminationsdiät - die wohl sinnvollste Medikation aus folgenden Gründen: Diaminooxidase ist der einzige Wirkstoff, der das Histamin abbauen und so dessen Aufnahme in den Körper verringern kann. Es handelt sich dabei um ein aus Schweinenieren gewonnenes Enzym, das der menschliche Körper auch selbst produziert und von dem keine Nebenwirkungen zu erwarten sind. (Die empfohlene maximale Verzehrsmenge von 8 Kapseln pro Tag ist eine reine Vorsichtsmassnahme, da noch keine wissenschaftlichen Studien mit unnatürlich hohen Dosierungen vorliegen. Wir empfehlen primär aus finanziellen Überlegungen, deutlich unterhalb dieser Höchstmenge zu bleiben.) AnwendungseinschränkungenSo wichtig Daosin ist, um den Betroffenen wieder ein Stück Lebensqualität zurückzugeben: Ein Wundermittel ist es trotzdem nicht! Zwar haben wir im Selbstversuch gute Erfahrungen damit gemacht und möchten dieses Hilfsmittel nicht mehr missen. Der Anwender sollte aber unbedingt auch verstehen, was Daosin NICHT kann. Das Makromolekül DAO ist viel zu gross, um die Darmwand passieren und in den Körper gelangen zu können. Deshalb gilt:
BezugsquellenDaosin ist seit 2010 auch in der Schweiz zugelassen. Zulassungsinhaberin ist die österreichische Herstellerfirma SCIOTEC Diagnostic Technologies GmbH. Schweizer Vertriebspartner ist die Firma Xanapharm AG, welche Daosin als Alleinimporteur in der Schweiz vertreiben darf.
KassenpflichtigkeitDas Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat für Daosin keine Medikamentenzulassung erteilt, sondern dieses Präparat lediglich als physiologischen Nahrungsmittelzusatz bewilligt. Dies hat den Nachteil, dass DAOSIN rechtlich bzw. krankenkassentechnisch gesehen nicht als Medikament bezeichnet werden darf - auch wenn es zweifellos eines ist - und deshalb von den Krankenkassen auch nicht bezahlt werden muss. Nach unserem Kenntnisstand wird Daosin weder von der obligatorischen Krankenversicherung noch von freiwilligen Zusatzversicherungen für nicht kassenpflichtige Medikamente oder Alternativmedizin übernommen. MastzellstabilisatorenMastzellenstabilisatoren sind eine Gruppe von Arzneistoffen mit antiallergischer Wirkung. Sie stabilisieren die Zellmembran von Mastzellen. Dies verhindert die Degranulation der Mastzellen und damit die Freisetzung von Histamin und weiteren entzündungs- und krampfauslösenden Mediatoren aus den Speichern (Vesikeln). Zur Zeit sind vor allem zwei Substanzen aus der chemischen Gruppe der Cromogene, die Cromoglicinsäure und Nedocromilnatrium, in Medikamenten verfügbar. Besprechen Sie die Anwendung der folgenden Wirkstoffe vorgängig mit Ihrem Arzt: Cromoglicinsäure, NatriumcromoglycatZur präventiven Behandlung bei lokal und systemisch manifestierten Nahrungsmittelallergien führt das Schweizer Arzneimittelkompendium Documed das Präparat Nalcrom auf (Kapseln oder Sachets). Zur Präventivbehandlung von saisonbedingter (Heuschnupfen) sowie perennialer allergischer Rhinitis wird Lomusol Spray aufgeführt. Zur Basistherapie von Asthma und asthmatischer Bronchitis werden Cromosol UD und Lomudal genannt. Des weiteren wird Cromoglicinsäure noch in einigen Augentropfen verwendet. NedocromilnatriumNedocromil-Natrium ist ebenfalls ein Mastzellstabilisator. Documed listet jedoch nur ein Augentropfen-Präparat mit diesem Wirkstoff (Tilavist). CalciumAuch Calcium (Kalzium) soll mastzellstabilisierende Wirkung haben. Dies jedoch nur bei hochdosierter Verabreichung. Die in handelsüblichen Brausetabletten enthaltene Dosis sei nicht ausreichend. Bei entsprechend veranlagten Personen besteht die Gefahr der Bildung von Nieren- oder anderen Steinen. ZinkAuch Zink soll der Freisetzung von Histamin entgegenwirken. NahrungsergänzungsmittelEine Reihe von Vitaminen und Mineralstoffen wirken sich bei Histamin-Intoleranz erfahrungsgemäss positiv auf das Wohlbefinden aus und können die Intensität der Symptome etwas verringern. Vermutlich wirken sie sich stabilisierend auf die Mastzellen aus und setzen so die Empfindlichkeitsschwelle herauf, ab der es zu Mastzelldegranulation (Ausschüttung von Histamin) kommt. Nach unseren Informationen konnte die mastzellstabilisierende Wirkung erst beim Vitamin C wissenschaftlich nachgewiesen werden. Vitamin C könnte zudem auch ein Co-Faktor von Hydroxylierungsreaktionen sein, die Histamin in die Hydantoinpropionsäure überführen, so dass mit der Einnahme von viel Vitamin C möglicherweise eine Beschleunigung des Histaminabbaus erreicht werden könnte [Bielenberg 2005]. Probieren Sie aus, welche Vitamine und Mineralstoffe Ihnen gut tun, nehmen Sie sie bei Bedarf und verzichten Sie auf langfristige Überdosierung ohne Fachberatung. Achten Sie in der Deklaration der Zutaten auf unverträgliche Inhaltsstoffe, die in solchen Präparaten enthalten sein können. Vitamin C (Ascorbinsäure)Vitamin C ist ein Sammelbegriff für die L-(+)-Ascorbinsäure und ihre Derivate mit gleicher Wirkung. Dazu gehören auch Stoffe, die im Körper zu L-(+)-Ascorbinsäure umgesetzt werden können, wie z. B. die Dehydroascorbinsäure (DHA). Die Salze der Ascorbinsäure nennt man Ascorbate (z.B. Natrium-Ascorbat). Ascorbinsäure ist ein farb- und geruchloser, kristalliner, gut wasserlöslicher Feststoff mit saurem Geschmack. Sie ist eine organische Säure. Sowohl die Ascorbinsäure wie auch deren oxidierte Form (DHA) sind Cofaktoren für viele biochemische Reaktionen. Hierbei stellt Ascorbinsäure Elektronen für Kupfer(I)-abhängige Monooxygenasen bzw. Eisen(III)-abhängige Dioxygenasen bereit. Der Tagesbedarf eines Gesunden wird mit ca. 50 bis 150 mg angegeben und kann mit einer gesunden Kost gedeckt werden, ohne dass die Einnahme von Vitaminpräparaten nötig ist. Bei Vitamin C ist die Gefahr der Überdosierung sehr gering. Überschüssiges Vitamin C wird über die Niere ausgeschieden. Mengen bis 5'000 mg pro Tag sind kurzfristig kein Problem. Am günstigsten erhält man Vitamin C als reines Pulver in der Apotheke. 100 g kosten ca. 10 CHF. Im benachbarten Ausland soll es sogar noch wesentlich preisgünstiger sein. Pro Tag nimmt man ca. 1 Messerspitze bis 1 gestrichenen Teelöffel voll Vitamin C (einige schwören auf weit höhere Dosen). Vitamin C nimmt man besser viele Male über den Tag verteilt ein als nur eine grosse Einzeldosis pro Tag, dann wird es besser aufgenommen. Weitere Vitamine und MineralstoffeEbenfalls positive Wirkung sollen haben: Vitamin B6, Zink, Calcium (Kalzium), Kupfer, Magnesium, Mangan [Medivere GmbH]. Die Wirksamkeit von Vitamin B6 ist aber nicht ganz unumstritten. H. Kofler schreibt hierzu: "Die immer noch empfohlene Vit B 6 Gabe ist hingegen definitiv falsch.Vit B 6 ist kein Kofaktor der die DAO unterstützt( wenn schon dann das Histaminproduzierende Enzym Histidindecarboxylase)!" [Kofler 2009] Folsäure steht im Verdacht, sich bei HIT eher negativ auszuwirken. Unverträgliche MedikamenteHistaminliberatorenZahlreiche Medikamentenwirkstoffe sind Histaminliberatoren, d.h. sie setzen als unerwünschte Nebenwirkung unspezifisch körpereigenes Histamin frei. Meist äussern sich diese durch Hautausschläge, aber auch durch weitere für Allergien typische Symptome. Beim Auftreten von Unverträglichkeitsreaktionen nach der Einnahme von Medikamenten denken deshalb viele Ärzte als erstes an eine Typ I-Allergie. Wenn in solchen Fällen weder im Bluttest noch im Hauttest eine IgE-Antikörper-mediierte Allergie nachgewiesen werden kann, sollte die histaminliberierende Wirkung des Wirkstoffs als Ursache der Medikamenten-Unverträglichkeit in Betracht gezogen werden. Nicht wenige Allergiker haben gleichzeitig auch eine Histamin-Intoleranz und umgekehrt. Deshalb sollte nicht vergessen werden, dass neben einer Allergie auf einen Medikamentenwirkstoff auch noch eine Histaminose vorliegen kann; besonders wenn die Reaktion heftig ausfällt [Jarisch 2004, S.123]. DAO-HemmerEs gibt auch Medikamente, welche die Diaminoxidase (DAO) in ihrer Aktivität hemmen. Derartige Nebenwirkungen sind schwer als Medikamentenunverträglichkeit zu erkennen, weil die Symptome nicht nach der Einnahme des Medikamentes auftreten, sondern erst später, wenn dem Körper Histamin zugeführt wird. Bei histaminintoleranten Personen kann es deshalb vorkommen, dass Medikamente nicht wirken oder dass sie die Symptome, gegen die sie eingesetzt werden, sogar noch verstärken. DAO-Blocker (DAO-Hemmer) sind besonders tückisch, weil die zeitlich verzögert auftretenden allergieähnlichen Symptome nicht so leicht mit dem verabreichten Medikament in Zusammenhang zu bringen sind [Jarisch 2004, S.123]. Liste unverträglicher Medikamentenwirkstoffe bei HITDie folgende Tabelle listet die unverträglichen Wirkstoffe auf. Nicht alle Quellen nennen die gleichen Stoffe. Die Liste ist ohne Anspruch auf Vollständigkeit und wurde von uns nicht auf Richtigkeit überprüft.
Man beachte, dass alle Röntgenkontrastmittel, sowohl ionische als auch anionische, verstärkt Histamin freisetzen und für Histamin-Intolerante sehr schlecht verträglich sind. Vor Untersuchungen mit Röntgen-Kontrastmitteln sollten deshalb Patienten mit HIT ein H1-Antihistaminikum erhalten [Jarisch 2005]. Gut verträgliche AlternativenEmpfehlenswert für Allergiker und Histamin-Intolerante sind Schmerzmittel und Rheumamittel mit den Wirkstoffen Ibuprofen, Fenbufen oder Levamisol, welche die Histaminfreisetzung hemmen.
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Nach oben Aktualisiert am 26.01.2012, (c) Copyright 2009 by SIGHI | Spendenkonto: 85-386246-4 | Wichtige Hinweise |