![]() | Schweizerische Interessengemeinschaft Histamin-Intoleranz (SIGHI) |
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VorgehensweiseEs gibt verschiedene Ursachen, die zu einer Histamin-Intoleranz führen können. Allen gemeinsam ist, dass sie zu einem Ungleichgewicht des Histaminhaushalts führen (siehe Seite Krankheit > Histamin-Intoleranz). Der Körper wird aus mehreren Quellen gleichzeitig mit Histamin belastet. Die folgenden grundsätzlichen Therapieansätze stehen zur Verfügung, um das Gleichgewicht wieder herzustellen und einen beschwerdefreien Zustand aufrecht zu erhalten:
In der Regel reicht es aus, nur einzelne dieser verschiedenen therapeutischen Möglichkeiten anzuwenden. Für jeden Betroffenen gilt es individuell die ideale Kombination zu finden. Teilweise ist auch eine tägliche Anpassung der Strategie an den vorgesehenen Tagesablauf und an die aktuelle Histaminbelastung sinnvoll. 1. Histaminquellen identifizieren und eliminierenHauptquellen sind Ernährung, Medikamente, Allergien und Stress. ErnährungAuf der Seite Therapie > Ernährungsumstellung wird die Eliminationsdiät beschrieben, mit deren Hilfe ausgetestet werden kann, ob das Weglassen der dort aufgeführten Lebensmittel eine Verbesserung der Symptomatik bringt. Eine solche Diät ist der wichtigste Grundpfeiler bei der Therapie der Histamin-Intoleranz. Nach erfolgter positiver Diagnose geht es darum, auszutesten, wie streng eine solche Diät eingehalten werden muss. MedikamenteEine ganze Reihe von Medikamentenwirkstoffen haben die Eigenschaft, körpereigenes Histamin freizusetzen (Histaminliberatoren) oder die Aktivität der Diaminoxidase zu hemmen (DAO-Hemmer). Die uns als unverträglich bekannten Wirkstoffe sind auf der Seite Therapie > Medikamente aufgeführt. Solche Medikamente sollten nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt wenn möglich abgesetzt oder durch verträgliche Alternativen ersetzt werden. AllergienBei Allergenkontakt werden riesige Mengen Histamin freigesetzt. Allergiker müssen deshalb die Stoffe, auf die sie allergisch reagieren, konsequent meiden. Dies ist nicht immer möglich, beispielsweise bei Pollenallergien. Auch ohne Allergenkontakt sind Allergiker oder Atopiker möglicherweise anfälliger für Mastzelldegranulation als andere Menschen. Auch über mögliche Kreuzreaktionen sollten sich Allergiker informieren. Beispielsweise reagieren Pollenallergiker manchmal, aber nicht immer, auf bestimmte Nahrungsmittel, weil diese Proteinsequenzen (Epitope) aufweisen, die denen der Blütenpollen gleichen, so dass der gegen Pollen gerichtete Antikörper zufällig auch dort passt. StressBegriffsdefinition: Umgangssprachlich wird der Begriff "Stress" meist als Synonym für Hektik verwendet, z.B. bei hoher Arbeitsbelastung. Hier meinen wir jedoch Stress im weitesten Sinne, sowohl psychischer/seelischer Stress wie auch körperlicher Stress. Vereinfacht gesagt ist Stress die Reaktion des Körpers auf alle vom "Normalzustand" abweichenden Situationen oder Einflüsse. Psychischer Stress (psychosomatische Komponente)Das periphere Nervensystem ist mit allen Organen verbunden und ganz besonders intensiv mit dem Verdauungstrakt vernetzt. Deshalb hat man beim Verliebtsein Schmetterlinge im Bauch, deshalb schlägt Ärger auf den Magen, machen Sorgen Bauchweh, macht man vor Angst fast in die Hose etc. Das periphere Nervensystem kann bei starker Erregung Histamin aus Mastzellen freisetzen. Auf diese Weise kann z.B. Nervosität zu Durchfall führen. Bestimmt kennen Sie auch den Ausdruck, man sei auf eine bestimmte Person "allergisch", weil sie einem "auf die Nerven" geht. Auch dies illustriert die über das Hirn gesteuerte Histaminfreisetzung. Körperlicher StressAuch übermässige körperliche Belastungen oder andere aussergewöhnliche äussere Einflüsse können in geringem Masse körpereigenes Histamin freisetzen. Zu nennen wären hier grosse körperliche Strapazen und Verletzungen. Unspezifische ReizeBei entsprechend veranlagten Personen können diverse unspezifische Reize zu Histaminfreisetzung führen, beispielsweise Kälte (Kälteurtikaria), Hitze, Wind, Rauch, Luftschadstoffe (Abgase, Chemikalienausdünstungen aus Baumaterialien und Möbeln), Düfte (Duftstoffe in Parfums, Kosmetikprodukten, Reinigungs- und Waschmitteln, Lufterfrischern etc.), physikalische Urtikaria durch mechanische Reize (z.B. Darier-Zeichen bei Hautmastozytose nach Kratzen oder Berührungen, Wollunverträglichkeit bei Tragen von Wollpullovern direkt auf der Haut). Besonders extreme Formen sind z.B. multiple Chemikaliensensitivität (MCS) oder Wasserallergie. 2. Abbau von Histamin beschleunigenIn den Fällen, wo eine Erkrankung des Verdauungstraktes die Ursache der Histamin-Unverträglichkeit ist, muss versucht werden, die Darmschleimhaut so weit wiederherzustellen, dass sie wieder ausreichende Mengen an Diaminoxidase produzieren kann. Durch orale Einnahme eines Diaminoxidase-Präparates kann dem Körper das fehlende Enzym auch von aussen zugeführt werden. So kann Histamin im Darm noch vor seiner Aufnahme in den Körper abgebaut werden. Viele Substanzen hemmen die Aktivität der Diaminoxidase und blockieren dadurch den Abbau von Histamin. Dazu gehören viele gebräuchliche Medikamentenwirkstoffe sowie Alkohol und sein Abbauprodukt Acetaldehyd. Deren Konsum ist so weit wie möglich zu meiden. (Medikamente nur in Absprache mit dem Arzt absetzen oder durch einen verträglichen Wirkstoff ersetzen!) Diese Massnahmen sind auf der Seite Therapie > Medikamente beschrieben. 3. Histaminfreisetzung medikamentös stabilisierenEine weitere spezifische medikamentöse Behandlung kann die Gabe von Mastzellstabilisatoren sein. Mastzellstabilisatoren setzen die Bereitschaft der Mastzellen zur Histaminausschüttung (Mastzelldegranulation) herab. Diese Medikation findet dann Anwendung, wenn sich die Ausschüttung von körpereigenem Histamin nicht auf andere Weise ausreichend eindämmen lässt (Verzicht auf Histamin freisetzende Nahrungsmittel, Allergenvermeidung, Stressvermeidung etc.). Bestimmte Vitamine und Mineralstoffe wirken sich ebenfalls positiv aus, vermutlich weil sie stabilisierend auf die Mastzellen wirken. Diese Massnahmen sind auf der Seite Therapie > Medikamente beschrieben. 4. Histaminwirkungen medikamentös blockierenGelingt es nicht, mit den oben genannten Massnahmen den Histaminspiegel tief genug zu halten, so können die Histaminrezeptoren mit sogenannten Antihistaminika medikamentös blockiert werden. Das Histamin ist dann zwar noch da, jedoch können vorübergehend die meisten Symptome nicht mehr ausgelöst werden, solange die Wirkung der Antihistaminika anhält. Diese Massnahme ist auf der Seite Therapie > Medikamente beschrieben. 5. Symptomatische Linderung der BeschwerdenDie symptomatische Linderung der Beschwerden, also die reine Symptombekämpfung ohne die Ursache anzugehen, ist bei vielen Ärzten anscheinend sehr beliebt. Gegen die Kopfschmerzen werden dann Kopfschmerztabletten verschrieben, gegen Halsschmerzen Halswehtabletten, bei laufender Nase Nasensprays. Wiederkehrende Nebenhöhlenentzündungen erfordern häufige Gaben mit Antibiotika, gegen Depressionen gibt es Antidepressiva. Auch gegen zu tiefen Blutdruck, Übersäuerung des Magens, Durchfall und alle anderen Beschwerden gibt es passende Präparate. Dem Umsatz von Ärzten, Apothekern und der Pharmaindustrie bekommt das sicher gut. Dem Patienten hilft aber Symptombekämpfung bei einer Histamin-Intoleranz nie dauerhaft und bringt keine befriedigenden Resultate, ja kann sogar eine Verschlechterung bewirken, falls dem Patienten Medikamente mit histaminliberierender oder DAO-hemmender Wirkung verschrieben werden. Die Linderung von Symptomen sollte deshalb immer nur vorübergehend zum Zuge kommen, wenn alle anderen oben genannten Massnahmen, mit denen die Ursache gezielter angegangen werden kann, versagen.
Quellenangaben
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