Schweizerische Interessengemeinschaft Histamin-Intoleranz (SIGHI)
Die Informationsdrehscheibe zum Thema Histamin-Unverträglichkeit (Histaminose), für Betroffene und Fachpersonen

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Begriffserklärungen, Definitionen (Glossar)

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Alkoholessig (Branntweinessig, Weingeistessig)

Begriffe: Alkoholessig ist in Deutschland und Österreich eher unter der Bezeichnung Branntweinessig oder Weingeistessig bekannt und wird zu den Gärungsessigen gezählt.
Definition: Alkoholessig = Gärungsessig aus reinem Alkohol, der aus pflanzlichem Material gewonnen wird (Art. 434 LMV).
Herstellung: Als Ausgangsmaterial eignen sich sämtliche stärke- und zuckerhaltigen Agrarprodukte wie Zuckerrüben- oder Zuckerrohrmelasse, Getreide, Kartoffeln usw. Diese pflanzlichen Rohstoffe werden zunächst zu einer alkoholhaltigen Masse vergoren. Durch Destillation wird daraus reiner Alkohol (Ethanol) gewonnen. Der Alkohol wird mit Wasser auf ca. 13 % verdünnt und mit einer geringen Menge einer künstlichen Nährstofflösung versetzt. Diese Alkohollösung lässt man dann im Bioreaktor über ein Trägermaterial (Keramikscherben oder Holzspäne) rieseln, auf dessen Oberfläche sich Essigsäurebakterien festgesetzt haben. Die Essigsäurebakterien oxidieren den reinen Alkohol zu Essigsäure (und benötigen noch eine geringe Menge weiterer Nährstoffe, um wachsen und arbeiten zu können, daher der Nährstoffzusatz). Auf diese Weise erhält man einen viel reineren, geschmacksneutralen Essig. Er enthält viel weniger Histamin und andere "Verderbnisprodukte", als wenn man das Ausgangsmaterial direkt zu Essig vergären würde, und ist daher gut verträglich.
Verwendung: Alkoholessig/Branntweinessig/Weingeistessig wird in der Lebensmittelindustrie oft zum Würzen und Ansäuern verwendet (z.B. in Senf, Essiggemüse etc.).

Weiterführende Informationen:
Seite "Therapie > Histaminpotential" > Würze, Gewürze > Essig

Amine (biogene Amine)

Als Amine bezeichnet man organische Abkömmlinge (Derivate) des Ammoniaks (NH3), bei dem ein oder mehrere Wasserstoffatome durch Alkyl- oder Arylgruppen ersetzt sind.
Biogen bedeutet, dass es sich um Amine biologischen Ursprungs handelt.
Biogene Amine sind primäre Amine (Struktur: R-NH2), die im Stoffwechsel (von Mikroorganismen, Pflanzen, Tieren und Menschen) durch enzymatische Decarboxylierung von Aminosäuren entstehen. Biogene Amine sind häufig Synthesevorstufen von Alkaloiden oder Hormonen. Sie dienen auch als Bausteine für die Synthese von Coenzymen, Vitaminen und Phospholipiden, und sind folglich allgegenwärtige und unentbehrliche Bausteine im Stoffwechsel der Lebewesen. Nebst den endogenen (=im Körper selbst hergestellten) biogenen Aminen gibt es auch die exogenen (=von aussen über die Nahrung aufgenommenen). In Nahrungsmitteln entstehen biogene Amine hauptsächlich durch die Aktivität von Mikroorganismen (Verderbnisprozesse, aber auch gewollte Fermentations-, Gärungs- oder Reifungsprozesse). Deshalb kommt Histamin meistens, aber nicht notwendigerweise, zusammen mit anderen biogenen Aminen vor. Es gibt auch Nahrungsmittel, die histaminfrei und trotzdem reich an biogenen Aminen sind.
Der Abbau erfolgt über die Enzyme Diaminoxidase und Histamin-N-Methyltransferase. Wenn die über die Nahrung aufgenommene Menge an biogenen Aminen die Abbaukapazität übersteigt, können biogene Amine auf verschiedene Arten Beschwerden verursachen:
1) Als konkurrierende Substrate zum Histamin lasten sie die Enzyme aus, so dass Histamin weniger schnell abgebaut wird.
2) Einige freie biogene Amine entfalten selbst physiologische Wirkungen (Neurotransmitter, gefässerweiternde Wirkung).
3) Cadaverin, Spermin und Spermidin wirken als Histaminliberatoren.
Beispiele biogener Amine sind: Histamin, Cadaverin, Tryptamin, Tyramin, Ethanolamin, Putrescin, Serotonin, Dopamin, Adrenalin, Noradrenalin, Phenethylamin, Octopamin.
Weiterführende Informationen:
Wikipedia-Artikel "biogene Amine"

Aminosäuren

Aminosäuren sind als eine Klasse organischer Verbindungen mit mindestens einer Carboxylgruppe (-COOH) und einer Aminogruppe (-NH2) definiert. Ihre bekannteste biologische Funktion ist die, dass sie die Bausteine der Proteine (Eiweisse, z.B. Enzyme) darstellen. Bisher sind 22 proteinogene (d.h. als Bausteine von Proteinen vorkommende) Aminosäuren bekannt, davon 20 sogenannt kanonische (d.h. durch Codons des genetischen Materials kodierte Standardaminosäuren). Darüber hinaus sind bisher rund 250 nicht-proteinogene natürlich vorkommende Aminosäuren bekannt, die biologische Funktionen haben.
[Hier fehlt das Bild...]
Die im Menschen natürlich vorkommenden 20 proteinogenen L-Aminosäuren (ohne Berücksichtigung der Stereochemie). Quelle: Wikipedia

Weiterführende Informationen:
Wikipedia-Artikel "Aminosäuren"

Diaminoxidase (DAO)

Synonyme: Diaminooxidase (Abkürzung: DAO), veraltet: Histaminase.
Englisch: diamine oxidase, amiloride-sensitive amine oxidase, kidney amine oxidase (KAO), amiloride-binding protein (ABP).

[Bild: Diaminoxidase]

Die Diaminoxidase (DAO) ist ein Enzym, welches spezifisch den Abbau von biogenen Aminen katalysiert. Es wurde benannt nach seiner Substratspezifität für Diamine (z.B. Histamin, Putrescin und Cadaverin). Beim Menschen wird es hauptsächlich im Darm, den Nieren und in der Plazenta produziert.
Die nebenstehende Abbildung zeigt eine Ribbon-Darstellung der Diaminoxidase mit Kupfer-Atomen im aktiven Zentrum.

Ein weiterer wichtiger Abbauweg für Histamin ist das Enzym Histamin-N-Methyltransferase (HNMT).

Weiterführende Informationen:
Wikipedia-Artikel zu Diaminoxidase
Uniprot-Eintrag: Gensequenz, Aminosäurensequenz
Seite "Therapie > Medikamente"

Eliminationsdiät (=Auslassdiät, Weglassdiät)

Mit Eliminationsdiät ist eine Ernährungsweise gemeint, bei der eine Gruppe von Nahrungsmitteln, die aus einem bestimmten Grund zu meiden sind, konsequent weggelassen (=aus dem Speiseplan eliminiert) werden. In unserem Fall sind dies diejenigen Nahrungsmittel mit Histaminpotential.
Weiterführende Informationen:
Seite "Therapie > Ernährungsumstellung"

Enzym

Enzyme (veraltet: Fermente) sind Proteine, die biochemische Reaktionen katalysieren (beschleunigen) können. Sie steuern den überwiegenden Teil biochemischer Reaktionen im Stoffwechsel aller lebenden Organismen. Enzyme zeichnen sich durch hohe Substrat- und Reaktionsspezifität aus, d.h. unter zahlreichen Stoffen wählen sie nur die passenden Substrate aus und katalysieren genau eine von vielen denkbaren Reaktionen. Die meisten biochemischen Reaktionen würden ohne Enzyme in den Lebewesen nur mit vernachlässigbarer Geschwindigkeit ablaufen. Als Biokatalysatoren beschleunigen Enzyme biochemische Reaktionen, indem sie die Aktivierungsenergie herabsetzen, die überwunden werden muss, damit es zu einer Stoffumsetzung kommt. Durch nicht-kovalente Wechselwirkungen stabilisiert es den Übergangszustand, so dass weniger Energie benötigt wird, um das Substrat in den Übergangszustand zu bringen. Einfacher ausgedrückt: Das Enzym ermöglicht durch seine blosse Anwesenheit die Umwandlung der Substrate in die Reaktionsprodukte, ohne dass es dabei verbraucht wird.
Weiterführende Informationen:
Wikipedia-Artikel "Enzym"

Gärungsessig

Gärungsessig ist Essig, der durch Essigsäuregärung aus alkoholhaltigen Flüssigkeiten hergestellt worden ist. Das Schweizer Lebensmittelrecht definiert folgende Gärungsessigarten (Art. 434 LMV):

  1. Weinessig: Gärungsessig, der ausschliesslich aus Wein hergestellt ist;
  2. Obstessig: Gärungsessig, der ausschliesslich aus Obstwein oder aus vergorenem Obstsaftkonzentrat hergestellt ist;
  3. Alkoholessig oder Essig aus reinem Alkohol: Gärungsessig aus Alkohol, der aus pflanzlichem Material gewonnen wird;
  4. Molkenessig: Gärungsessig aus Molke;
  5. Milchserumessig: Gärungsessig aus Milchserum oder Ultrafiltrat (Permeat);
  6. weitere Arten von Gärungsessig (z. B. Malz-, Bier-, Honigessig): Gärungsessig, der aus kohlenhydrathaltigen Lebensmitteln durch alkoholische Gärung und Essigsäuregärung hergestellt worden ist.

Nicht eindeutig sind die Sachbezeichnungen "Tafelessig" oder "Speiseessig". Hierbei kann es sich um Alkoholessig (verträglich), aber auch um Mischungen von verschiedenen (unverträglichen) Gärungsessigarten handeln (Art. 436 LMV).

Nebst dem Gärungsessig gibt es noch die Essigsäure. "Essigsäure zu Speisezwecken" ist Essigsäure, die auf chemischem Weg hergestellt und mit Trinkwasser verdünnt worden ist. Sie darf einen Säuregehalt von höchstens 14 Massenprozent aufweisen. Bezeichnungen wie "Essig" oder "Essenzessig" ohne weitere Angaben sind nicht zulässig. Aromatisierende Zusätze sind gestattet (Art. 438 LMV).

Weiterführende Informationen:
Seite "Therapie > Histaminpotential" > Würze, Gewürze > Essig

Histamin-N-Methyltransferase (HNMT)

Die Histamin-N-Methyltransferase (Abkürzung: HNMT) ist eines von zwei Enzymen, die Histamin abbauen können. Sie ist nebst der Diaminoxidase (DAO) der zweite wichtige Abbauweg für Histamin. Methyltransferasen sind Enzyme, die ihre Substrate methylieren. Wie der Name verrät, ist die HNMT demnach eine Methyltransferase, welche zur Methylierung von Histamin befähigt ist. Als Methylierung wird in der organischen Chemie der Transfer von Methylgruppen bei einer chemischen Reaktion von einem Molekül zum anderen bezeichnet. Die Methylgruppe ist eine der einfachsten Atomanordnungen in der organischen Chemie. Die Formel lautet –CH3.

English nomenclature:

Systematic name: S-adenosyl-L-methionine:histamine N-tele-methyltransferase

[Hier fehlt das Bild...]

Recommended name:
histamine N-methyltransferase

Synonyms
S-adenosylmethionine-histamine N-methyltransferase
histamine 1-methyltransferase
histamine methyltransferase
histamine-methylating enzyme
imidazole N-methyltransferase
imidazole methyltransferase
imidazolemethyltransferase
methyltransferase, histamine

CAS registry number: 9029-80-5

Weiterführende Informationen:
Wikipedia-Artikel zu Histamine N-methyltransferase (Engl.)
Uniprot-Eintrag: Gensequenz, Aminosäurensequenz
Seite "Krankheit > Histaminstoffwechsel"Seite "Diagnose > Gentest"

Histaminliberator

Histaminliberatoren sind Stoffe mit der Eigenschaft, in den Vesikeln von Mastzellen oder anderen Zellen gespeichertes körpereigenes Histamin unspezifisch freisetzen zu können. Anders als bei einer allergischen Reaktion verläuft die Freisetzung nicht schlagartig, sondern langsam und kontinuierlich, solange der Auslöser im Körper verbleibt. Die Symptome treten oft langsam mit einer zeitlichen Verzögerung von vielen Stunden auf. Auslöser sind eine Vielzahl verschiedener Stoffe aus unterschiedlichen chemischen Stoffgruppen. Vorkommen: in natürlichen Lebensmitteln, Medikamentenwirkstoffe, Lebensmittelzusatzstoffe (einige Konservierungsstoffe, Farbstoffe, Geschmacksverstärker, Verdickungsmittel), Umweltfaktoren (Luftschadstoffe, Duftstoffe, Lösungsmittel, Umweltgifte, Stress, ...)
Weiterführende Informationen:
Seite "Krankheit > Histamin-Intoleranz"
Seite "Therapie > Ernährungsumstellung"
Seite "Therapie > unverträgliche Medikamente"

Histaminpotential

Ein Nahrungsmittel oder ein Stoff (z.B. Lebensmittelzusatzstoff, Medikamentenwirkstoff) hat dann Histaminpotential, wenn sich nach dessen Konsumation die Menge an im Körper frei verfügbarem Histamin merklich erhöht, oder wenn eine anderweitig verursachte Erhöhung verstärkt wird. Dies kann auf vielerlei Arten geschehen, z.B. Nahrungsmittel die histaminhaltig oder reich an anderen biogenen Aminen sind, Histaminliberatoren, DAO-Hemmer. Bei DAO-Hemmern und bei anderen biogenen Aminen als Histamin erfolgt keine direkte Erhöhung des Histaminspiegels; eine solche wird aber verstärkt, wenn während der Wirkdauer gleichzeitig Histamin aufgenommen oder freigesetzt wird. Die Symptome können innert Minuten, oder aber auch erst mit einer zeitlichen Verzögerung von vielen Stunden auftreten.
Weiterführende Informationen:
Seite "Therapie > Histaminpotential von Nahrungsmitteln"
Seite "Therapie > Ernährungsumstellung"

Histidin

Histidin ist eine Aminosäure mit wichtigen biologischen Funktionen. Beispielsweise ist sie ein unentbehrlicher Baustein von vielen Proteinen. Auch Histamin wird durch Decarboxylierung aus der Aminosäure Histidin gebildet. Das dazu befähigte Enzym heisst dem entsprechend Histidin-Decarboxylase.


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Quellenangaben

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