Schweizerische Interessengemeinschaft Histamin-Intoleranz (SIGHI)
Die Informationsdrehscheibe zum Thema Histamin-Unverträglichkeit (Histaminose), für Betroffene und Fachpersonen

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Symbolbild Zutatenliste Lebensmittel


Seitenübersicht:

Zusammenfassung:

Zu meiden sind alle Nahrungsmittel mit Histaminpotential:

  • Histaminreiche Nahrungsmittel
  • Histaminliberatoren
  • Andere biogene Amine
  • Abbauhemmer

Liste unverträglicher Lebensmittel:
Es ist nicht möglich, eine Verträglichkeitsliste zu erstellen, die für alle Betroffenen gleichermassen gültig ist. Der Übergang zwischen verträglich und unverträglich ist fliessend, so dass keine scharfe Abgrenzung möglich ist. Je nach individueller Empfindlichkeit muss zunächst die richtige Diät ermittelt werden:

  1. Bei der vereinfachten Eliminationsdiät werden nur die wichtigsten eindeutig unverträglichen Nahrungsmittel weggelassen.
    [pdf]SIGHI-Merkblatt_histaminarme Ernaehrung.pdf
  2. Empfindlichere müssen die strikte Eliminationsdiät einhalten.
    [pdf]SIGHI-Lebensmittelliste_HIT.pdf
  3. Bringt auch dies noch nicht den gewünschten Erfolg, so sollte in Betracht gezogen werden, dass nebst unerkannten Diätfehlern noch weitere Unverträglichkeiten, Allergien oder andere Erkrankungen vorliegen könnten (was sehr häufig vorkommt und im Verdachtsfall vom Allergologen abgeklärt werden sollte). Dann kann man es mit der besonders radikalen Kartoffel-Reis-Diät versuchen.

Mögliche Gründe bei Therapie-Misserfolg:
- Unerkannte Diätfehler (unverträgliche Zutaten oder ungenügende Frische)
- Unverträgliche Medikamente
- Weitere Unverträglichkeiten, Allergien oder Kreuzreaktionen
- Andere Erkrankungen
- Insbesondere beim Typ HNMT können auch diverse Umweltfaktoren den Histaminspiegel ansteigen lassen


Die drei Phasen von der Diagnose bis zum Therapiebeginn:

  • Phase 1: Eliminationsdiät bis zur Symptomfreiheit (ca. 4-6 Wochen)
  • Phase 2: Provokationstests zwecks Bestätigung der Diagnose.
  • Phase 3: Weiterführung der Diät mit Wiederaufbau einer vielfältigeren Ernährung

Die Diät muss dauerhaft eingehalten werden, solange die Histamin-Intoleranz besteht.
Als "unverträglich" bezeichnete Nahrungsmittel können in kleinen Mengen vielleicht trotzdem vertragen werden. Nach und nach soll man deshalb alles, auf das man nicht verzichten mag, einzeln austesten. Sie dürfen alles essen, solange Sie damit beschwerdefrei leben können oder gelegentliche Beschwerden in Kauf nehmen möchten.

Was man vor Beginn der Diät wissen muss:

Viele versuchen in einer ersten Phase, die Krankheit zu verdrängen, und warten vergeblich auf spontane Besserung. Die Verdrängungsphase sollte man möglichst schnell hinter sich lassen, um sich unnötiges Leiden zu ersparen.

Der anfänglich mühselige Lernprozess wird einem mit zunehmender Routine immer leichter fallen.

Man sollte sich nicht davon verwirren lassen, dass die individuelle Toleranzschwelle grossen Schwankungen unterliegt, da sie von vielen Faktoren beeinflusst wird:

  • Was man zuvor, dazu und danach sonst noch alles isst und trinkt
  • Stress (z.B. bessere Verträglichkeit während Ferien als bei hohem Leistungsdruck)
  • Momentane Vitamin- und Mineralstoffversorgung
  • Grosse körperliche Anstrengung
  • Luftschadstoffe (Smog, Ozon, Feinstaub), Nikotinkonsum, Passivrauchen
  • Bei Allergikern: Allergenkontakt und Kreuzreaktionen
  • Schlafdauer, Schlafrhythmus (Jetlag)
  • Wetterwechsel (bes. Kaltfronten)
  • etc.

Als weitere Schwierigkeit kommt hinzu, dass auch der Histamingehalt in den Lebensmitteln stark schwankt. Die Symptome können beim gleichen Gericht einmal auftreten und ein anderes Mal nicht.

Tückisch: Einigen Histaminliberatoren und biogenen Aminen ist es sehr schwer anzumerken, dass man sie nicht verträgt, weil sie nur indirekt oder zeitlich verzögert wirken.

Unter der Diät nimmt die Empfindlichkeit meist langsam ab. Bestimmte Nahrungsmittel können zu Beginn der Diät erst mässig, später aber bereits besser vertragen werden. Deshalb kann man einmal als unverträglich ermittelte Nahrungsmittel nach einigen Monaten erneut austesten.

Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung oder nehmen Sie eine Ernährungsberatung in Anspruch!

Unterstützend können diverse Nahrungsergänzungsmittel und Medikamente eingenommen werden, so dass die Diät bei besonderen Anlässen (auswärts Essen, Reisen) vorübergehend aufgegeben werden kann. Wärend der 4-6-wöchigen Versuchsphase sollte man jedoch noch auf Medikamente verzichten, um das Resultat nicht zu verfälschen.
Medikamente können die Diät mittel- bis langfristig nicht ersetzen!!!

In einzelnen Fällen kann es zu Beginn der Ernährungsumstellung vorübergehend zu Entzugssymptomen und Verstimmungen kommen.

Ergänzende Informationen:
Therapie > Histaminpotential
Therapie > Küchentipps
Liste der unverträglichen Medikamente

Begriffsklärung

Diät
Umgangssprachlich wird der Begriff "Diät" meistens gleichgesetzt mit einer Kalorienreduktionsdiät zur Gewichtsabnahme. Wir verwenden diesen Begriff hier aber nicht als Synonym für Schlankheitskur, sondern im weiteren Sinne:
Als Diät wird allgemein eine spezielle Ernährung bezeichnet, bei der längerfristig oder dauerhaft eine spezielle Auswahl von Nahrungsmitteln konsumiert wird. Dazu gehört nebst der Kalorienreduktionsdiät (kurz: Reduktionsdiät) auch die längerfristige oder dauerhafte Ernährungsumstellung zur unterstützenden Behandlung einer Krankheit (Krankenkost). Jede Diätform, sei es zur Gewichtsreduktion, sei es zur unterstützenden Krankheitsbehandlung, basiert auf einer Verminderung oder Vermehrung des relativen Anteils bestimmter Nahrungsbestandteile gegenüber den anderen und/oder einer Erniedrigung oder Erhöhung der zugeführten Gesamtenergiemenge ("Kalorien"). Bei manchen Diätformen wird auf einzelne Nahrungsbestandteile vollständig verzichtet (z.B. bei Nahrungsmittelallergien).

Eliminationsdiät, Histamin-Eliminationsdiät
Eine Ernährungsweise, bei der möglichst alle zu meidenden Nahrungsmittel (in unserem Fall alle Nahrungsmittel mit Histaminpotential) weggelassen (=aus dem Speiseplan eliminiert) werden, bezeichnen wir als Eliminationsdiät (=Auslassdiät).

Zu eliminierende Nahrungsmittel

Warum sind bestimmte Nahrungsmittel unverträglich?

Auf der Seite Histamin-Intoleranz wurden der Pathomechanismus der Krankheit erklärt und die Störfaktoren im Histaminstoffwechsel genannt. Daraus abgeleitet müssen diejenigen Nahrungsmittel mit Histaminpotential gemieden werden:

  • Histaminreiche Nahrungsmittel
  • Histaminliberatoren
  • Andere biogene Amine (konkurrierende Substrate der DAO; einzelne wirken histaminähnlich)
  • Abbauhemmer (DAO-Hemmer, HNMT-Hemmer)

Lebensmittellisten: Was ist verträglich / unverträglich?

Welche die zu meidenden Nahrungsmittel sind, ist bei HIT sehr viel schwieriger zu beantworten als bei anderen Unverträglichkeiten. Der Übergang zwischen verträglich und unverträglich ist fliessend und von der verzehrten Menge abhängig, so dass keine scharfe Abgrenzung möglich ist. Auch ist die Verträglichkeit ein Stück weit individuell und von vielen Faktoren abhängig (siehe Abschnitt "Was man vor Beginn der Diät wissen muss"). Je nach individueller Empfindlichkeit müssen folglich nicht alle Betroffenen die genau gleiche und gleich strikte Diät einhalten. Wir empfehlen nach unserem derzeitigen Wissensstand das folgende mehrstufige Vorgehen, um die richtige Diät zu ermitteln:

  1. Um sich nicht unnötig einzuschränken, kann man mit der unten beschriebenen vereinfachten Eliminationsdiät beginnen, bei der nur diejenigen Nahrungsmittel weggelassen werden, die bei den meisten Betroffenen deutliches Histaminpotenzial zeigen.
  2. Genügt dies noch nicht, um nach wenigen Wochen eine zufriedenstellende und stabile Beschwerdefreiheit zu erreichen, empfehlen wir die strikte Eliminationsdiät konsequent einzuhalten, mit der auch besonders histaminsensible Personen weitgehende Beschwerdefreiheit erreichen können sollten.
  3. Bringt auch dies noch nicht den gewünschten Erfolg, so sollte in Betracht gezogen werden, dass nebst unerkannten Diätfehlern noch weitere Unverträglichkeiten, Allergien oder andere Erkrankungen vorliegen könnten. Dann kann man es mit der besonders radikalen Kartoffel-Reis-Diät versuchen.

Natürlich kann man auch gleich mit der strikten Eliminationsdiät oder mit der Kartoffel-Reis-Diät beginnen. Das ist der sicherere Weg, wenn man möglichst schnell beschwerdefrei werden will. Man spürt die Abnahme der Symptome umso deutlicher, je radikaler und konsequenter die Umstellung ist. Allerdings ist der Aufwand grösser und man schränkt sich vielleicht unnötig stark ein, wenn man nicht zu den hoch Empfindlichen gehört.

Wichtig: Es ist nicht möglich, eine Verträglichkeitsliste zu erstellen, die für alle Betroffenen gleichermassen gültig ist. Im Abschnitt "Was man vor Beginn der Diät wissen muss") ist beschrieben, warum die Grenze zwischen verträglich und unverträglich nicht immer gleich verlaufen muss. Grundsätzlich gilt: Sie dürfen alles essen, auch die als "unverträglich" bezeichneten und die in der Liste nicht genannten Lebensmittel, solange Sie damit beschwerdefrei leben können oder gelegentliche Beschwerden in Kauf nehmen möchten.

Vereinfachte Eliminationsdiät

Die bei der vereinfachten Eliminationsdiät zu meidenden und erlaubten Lebensmittel haben wir auf einer A4-Seite übersichtlich zusammengestellt. Dieses Merkblatt zur histaminarmen Ernährung kann hier heruntergeladen werden:
[pdf]SIGHI-Merkblatt_histaminarmeErnaehrung.pdf (75 KB, Version 18.02.2011)

Strikte Eliminationsdiät

Bei der strikten Eliminationsdiät kommen noch viele weitere zu meidende Lebensmittel und Zusatzstoffe (E-Nummern) hinzu, die nur bei entsprechend veranlagten oder besonders empfindlichen Personen Beschwerden verursachen oder die im Verdacht stehen, dies zu tun.

[pdf]SIGHI-Lebensmittelliste_HIT.pdf (71 KB, Version 10.08.2011)

Übersetzung Deutsch - Englisch:
SIGHI-Lebensmittelliste_HIT_(DE-EN).pdf [passwortgeschützt], (87 KB, Version 10.08.2011)

Diese Lebensmittelliste ist trotz ihrer Ausführlichkeit ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder Unfehlbarkeit. Weitere Hinweise nehmen wir gerne entgegen. Die Liste enthält - soweit bekannt - auch die Angaben, ob sie Histamin oder andere biogene Amine enthalten, Histaminliberatoren oder DAO-Hemmer sind. Dies beeinflusst die Art der Symptome und ist wichtig bei der Wahl der Medikamente!

Die Bewertung gilt nur für das reine Grundnahrungsmittel OHNE unverträgliche Zutaten oder Zusatzstoffe. Achten Sie immer auf die Zutatenliste, selbst dort wo Sie keine Zusatzstoffe erwarten würden! Beispiele:

  • Reiner Rahm / reine Sahne wäre gut verträglich. Bei den meisten Rahmsorten im Supermarkt findet man aber, wenn man das Kleingedruckte auf der Verpackung gründlich durchsucht, unverträgliche Zusatzstoffe wie z.B E410 (Johannisbrotkernmehl).
  • Reiner Alkoholessig wäre gut verträglich. Die meisten Alkoholessigsorten enthalten jedoch unverträgliche Zusatzstoffe (Konservierungsstoffe, Farbstoffe) wie z.B. E202 (Kaliumsorbat).
  • Reine Marzipan-Grundmasse (nur Zucker und Mandeln) wäre gut verträglich. Die meisten Marzipanprodukte enthalten jedoch unverträgliche Farbstoffe, Konservierungsstoffe, evtl. Oberflächenbehandlungsmittel etc.
  • Reiner Rooibos-Tee wäre verträglich. Die meisten mit Rooibos angeschriebenen Teesorten entpuppen sich aber beim Lesen der Zutatenliste als Mischungen von Rooibos mit weiteren, meist unverträglichen Zutaten und Aromen.
  • Karottensaft und auch viele Früchtequarks wären im Prinzip gut verträglich, enthalten aber fast immer Zitronensaftkonzentrat, welches sich bei den Empfindlicheren als Histaminliberator bemerkbar macht.
  • ...
  • ...

Gelingt es auch unter der strikten Eliminationsdiät nicht, einen beschwerdefreien Zustand zu erreichen und aufrecht zu erhalten, so sind möglicherweise Diätfehler dafür verantwortlich zu machen (unverträgliche Zutaten oder ungenügende Frische). Ist dies unwahrscheinlich, so sollte in Betracht gezogen werden, dass nebst unerkannten Diätfehlern auch noch weitere Unverträglichkeiten, Allergien, Kreuzreaktionen, stoffwechsel- oder ernährungsbedingte Vitamin- oder Nährstoffmangelzustände, Mastzellerkrankungen oder andere Erkrankungen vorliegen könnten. (Ferner muss berücksichtigt werden, dass bei HIT und insbesondere beim Typ HNMT auch diverse Umweltfaktoren den Histaminspiegel ansteigen lassen können.)

Kartoffel-Reis-Diät

Die Kartoffel-Reis-Diät kommt dann zum Zuge, wenn selbst unter der strikten Eliminationsdiät kein befriedigender Erfolg erzielt werden kann. Die Kartoffel-Reis-Diät ist schnell erlernt, aber umso schwieriger durchzuhalten. Erlaubt sind lediglich Kartoffeln, Reis, Wasser, Salz und Zucker. Keinerlei weiteren Lebensmittel, Zutaten, Gewürze oder Getränke. Die Kartoffel-Reis-Diät eignet sich nicht für die dauerhafte Ernährung, sondern wird 5-7 Tage lang eingehalten. Anschliessend nimmt man alle zwei Tage ein neues Nahrungsmittel hinzu und beobachtet, bei welchen Lebensmitteln die Beschwerden wieder auftauchen. Der Versuch wie auch die Interpretation der Ergebnisse erfolgt begleitet durch einen Arzt oder eine Ernährungsberaterin. Anschliessend sollte unbedingt im Rahmen einer professionellen Ernährungsberatung ein möglichst ausgewogener Diätplan erarbeitet werden.
Werden auch Kartoffeln schlecht vertragen, sollte man sich über die Salicylat-Intoleranz (Salicylat-Unverträglichkeit) informieren.
Eine Reisallergie ist hierzulande äusserst selten, kann aber ebenfalls vorkommen.

Vorgehensweise

Die drei Phasen von der Diagnose bis zum Therapiebeginn

Phase 1: Eliminationsdiät

Erst im symptomfreien Zustand kann man allen Lebensmitteln deutlich genug anmerken, wie gut man sie verträgt. Deshalb zu Beginn konsequent nur einwandfrei verträgliche Lebensmittel konsumieren (siehe Lebensmittellisten), bis man die Diät eingeübt hat (man macht noch sehr viele Diätfehler am Anfang) und bis alle Symptome abgeklungen sind! Mindestens zwei, besser vier bis sechs Wochen muss man das durchziehen. Wenn das funktioniert, weiss man aber erst, dass man so die Symptome wegbringt. Das ist jedoch erst die eine Hälfte der Diagnose. Vielleicht verträgt man ja etwas anderes nicht, das nichts mit HIT zu tun hat und das sich nur zufällig unter all den vielen Sachen befindet, die man weggelassen hat. Die Bestätigung liefert erst Phase 2:

Phase 2: Provokationstests

Eindeutig unverträgliche Grundnahrungsmittel aus verschiedenen Nahrungsmittelgruppen (Fleischzubereitungen, Milchprodukte, Gemüse, Früchte, Zusatzstoffe, ...) einzeln eines nach dem andern wieder einführen. Dazwischen jeweils immer 1-2 Tage Pause bzw. so lange bis die Symptome wieder weg sind. Wenn man auf die meisten dieser einzelnen Lebensmittel reagiert, kann man davon ausgehen, dass es wirklich eine HIT ist. Phase 2 dient somit noch nicht dem Wiederaufbau einer möglichst uneingeschränkten Ernährung, sondern ist immer noch Teil der Diagnose. Es geht darum, deutliche Reaktionen festzustellen. Der Patient muss aber nicht alles gemäss einer Liste durchtesten, sondern soll diese Phase als beendet erklären, sobald ihm das Resultat deutlich genug ist.

Der zweite wichtige Effekt, der nach Phase 1 nötig ist: Wenn es einem nach erfolgreich durchgeführter Diät endlich gut geht, will man schon sehr bald nicht mehr glauben, dass die Diät wirklich nötig ist, denn der motivierende Leidensdruck ist ja nun weg und man fühlt sich gesund. Zudem ist der Aufwand enorm. Man muss auf vieles verzichten, vieles neu lernen und sich zwangsläufig in eine vorübergehende soziale Isolation begeben, sonst kann man das kaum durchziehen. Das macht man nicht einfach so, nur weil es die Ernährungsberaterin gesagt hat. Dank den Provokationstests mit eindeutig Unverträglichem lernt das Hirn, dass es eben doch nicht anders geht, als die Diät einzuhalten.

Hinweis: Bei Patienten, die sehr heftig/anaphylaktisch auf Histamin reagieren, muss man möglicherweise etwas vorsichtiger vorgehen.

Phase 3: Wiederaufbau einer vielfältigen Ernährung

Nachdem nun der Patient keine Zweifel mehr hat, dass diese schwer zu stellende Diagnose auf ihn wirklich zutrifft, ist er bereit, die Mühsal der Diät auf sich zu nehmen. Jetzt kann er sich vorsichtig von unten her an den Aufbau einer möglichst abwechslungsreichen, aber doch ausreichend verträglichen Ernährung herantasten, indem er gelegentlich auch die mässig verträglichen probiert (und wahrscheinlich ebenfalls dauerhaft weglassen muss). Das ist meist ein jahrelanger Lernprozess.

Die Intensität der Symptome ist dosisabhängig. Als "unverträglich" bezeichnete Nahrungsmittel können in kleinen Mengen vielleicht trotzdem vertragen werden. Um sich nicht unnötig einzuschränken, soll man deshalb mit der Zeit alles, auf das man nicht verzichten mag, einzeln austesten. Um zuverlässige Ergebnisse zu erzielen, sollte man zum Zeitpunkt der Einnahme möglichst beschwerdefrei sein (aber nicht unter Einfluss von Antihistaminika stehen) und danach während zwei Tagen nur Lebensmittel konsumieren, von denen man sich sicher ist, dass man sie verträgt. Dies deshalb, weil in einigen Fällen Symptome erst mit grosser zeitlicher Verzögerung auftreten. Das Austesten wiederholt man jeweils am besten mehrere Male pro Lebensmittel, um Irrtümer aufgrund anderer Störeinflüsse zu vermeiden.


Die Diät muss dauerhaft eingehalten werden, solange die Histamin-Intoleranz besteht. In den meisten Fällen also leider lebenslänglich. Bei Diätfehlern wird man sofort bestraft, indem die histaminvermittelten Symptome wieder während einiger Stunden auftreten.

Was man vor Beginn der Diät wissen muss

Verdrängungsphase überwinden

Viele versuchen in einer ersten Phase, die Krankheit zu verdrängen, wenn sie erstmals mit dem Krankheitsbild der Histamin-Intoleranz konfrontiert werden und realisieren, dass dies eine wahrscheinliche Erklärung für deren Symptome sein könnte. Man sagt sich dann: "Nein, das will ich nicht haben, das ist mir zu kompliziert, zu aufwändig und schränkt mich zu sehr ein.", und wartet einfach mal ab, ob es nicht von selbst irgendwann besser wird. Im eigenen Interesse sollte man die Verdrängungsphase möglichst schnell hinter sich lassen. Man verliert sonst unnötige Monate, während denen einem das Leiden hätte erspart bleiben können.

Mühseliger Lernprozess

Es ist nicht verwunderlich, wenn man zu Beginn mit der gewöhnungsbedürftigen Ernährungsumstellung grosse Mühe haben wird und seine Lebensqualität als sehr eingeschränkt empfindet, aber das wird sich mit zunehmender Erfahrung bessern. Man wird mit der Zeit immer mehr Möglichkeiten entdecken, Strategien entwickeln und bei der Suche nach Essbarem sogar den Speiseplan um neue Leckereien erweitern, die man zuvor nie beachtet hatte. Freuen Sie sich auf diese Entdeckungen und auf das zurückgewonnene Wohlbefinden!

Der Erfahrungsaustausch in Selbsthilfegruppen und Diskussionsforen kann diesen Lernprozess unterstützen und beschleunigen.

Individuelle Toleranzschwelle unterliegt grossen Schwankungen

Die Ausprägung der Beschwerden ist grundsätzlich dosisabhängig. Durch Variieren der Menge (oder der Frische) kann der Betroffene herausfinden, wo seine persönliche Toleranzschwelle liegt, bei der ein unverträgliches Nahrungsmittel trotzdem noch vertragen wird. Man sollte sich jedoch nicht davon verwirren lassen, dass diese Toleranzschwelle nicht immer gleich hoch liegt, sondern von der momentanen Tagesform abhängt, welche von vielen Faktoren beeinflusst wird:

  • Was man zuvor, dazu und danach sonst noch alles isst und trinkt
  • Stress (z.B. bessere Verträglichkeit während Ferien als bei hohem Leistungsdruck)
  • Momentane Vitamin- und Mineralstoffversorgung
  • Luftschadstoffe (Smog, Ozon, Feinstaub)
  • Nikotinkonsum, Passivrauchen
  • Grosse körperliche Anstrengung
  • Infektionen und Entzündungsherde, Verletzungen
  • Bei Allergikern: Allergenkontakt und Kreuzreaktionen
  • Schlafdauer, unregelmässiger Schlafrhythmus (länger aufbleiben, Jetlag)
  • Wetterwechsel (insbesondere bei herannahender Kaltfront)
  • Belastung der Nahrungsmittel mit Schadstoffen (Schwermetalle, Pestizidrückstände, Medikamentenrückstände und andere Umweltgifte?)
  • Amalgam-Zahnfüllungen?
  • etc.

Als weitere Schwierigkeit kommt hinzu, dass auch der Histamingehalt in den Lebensmitteln stark schwankt. Die Symptome können beim gleichen Gericht einmal auftreten und ein anderes Mal nicht.

Unverträglichkeit nicht immer leicht zu erkennen

Einigen Histaminliberatoren ist es sehr schwer anzumerken, dass man sie nicht verträgt. Es kann gut sein, dass man sie an vier aufeinanderfolgenden Tagen essen kann und sich darüber freut, dass man sie verträgt, und erst am fünften Tag realisiert man langsam, dass es einem ganz schleichend jeden Tag ein bisschen schlechter gegangen ist. Es gibt nicht nur die heftigen Histaminschübe, sondern Histaminliberatoren können je nach individueller Veranlagung ganz subtil eine ganz anders geartete Symptomatik ganz langsam über Tage schleichend aufbauen. Das äussert sich vielleicht einfach nur durch ein Gefühl von unerklärlicher Traurigkeit, durch vermehrtes Auftreten von Entzündungen, Schlafprobleme, Katergefühl, Muskelverspannungen, Muskelzerrungen wegen einer kleinen blöden Bewegung, Rückenschmerzen, alles Symptome, die das Hirn nicht mit Nahrungsmitteln in Verbindung zu bringen vermag, die man in den Tagen zuvor gegessen hat. Dies trifft auf Typ HNMT stärker zu als auf Typ DAO.

Lebensmittel, die kein Histamin, aber andere biogene Amine in grossen Mengen enthalten, können ebenfalls nicht immer als unverträglich erkannt werden. Nur wenige der freien biogenen Amine entfalten selbst physiologische Wirkungen (Neurotransmitter, gefässerweiternde Wirkung), die der Histaminwirkung ähnlich sind, oder haben Histamin freisetzende Wirkung. Die anderen Amine lösen nicht direkt Symptome aus, können aber indirekt die Folgen anderer Histaminquellen verstärken (z.B. wenn man noch etwas Histaminhaltiges dazu isst). Als konkurrierende Substrate zum Histamin lasten sie die abbauenden Enzyme aus, so dass Histamin aus anderen Quellen verzögert abgebaut wird.

Langsame Abnahme der Empfindlichkeit

Oft kommt es vor, dass bestimmte Nahrungsmittel zu Beginn der Diät mit einem noch gereizten Darm erst mässig, einige Wochen später aber bereits besser vertragen werden. Deshalb kann man es wagen, einmal als unverträglich ermittelte Nahrungsmittel nach einigen Monaten erneut auszutesten.

Auf ausgewogene Ernährung achten

In jeder Nahrungsmittelgruppe gibt es sowohl verträgliche wie auch unverträgliche Lebensmittel. Deshalb muss nicht auf eine Gruppe vollständig verzichtet werden, sondern es ist weiterhin eine vollwertige Ernährung möglich, bei der man aus allen Kategorien (Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Kohlenhydratlieferanten, Gemüse, Früchte) eine reichhaltige Auswahl hat, um den Körper mit allem zu versorgen, das er braucht. Bei der Ernährungsumstellung sollte man sich deshalb in keiner dieser Kategorien zu stark einschränken!

Um sicherzustellen, dass man sich auf Dauer ausgewogen ernährt, kann es ratsam sein, die Dienste eines Ernährungsberaters / einer Ernährungsberaterin in Anspruch zu nehmen. Besonders dann, wenn noch andere Allegien/Unverträglichkeiten den Speisezettel weiter einschränken. Die Konsultationen bei der Ernährungsberatung werden grundsätzlich von der Krankenkasse übernommen, wenn ärztlich verordnet.

Unterstützende Begleitmassnahmen

Die Eliminationsdiät kann mit diversen Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamenten unterstützt werden, so dass die Diät nicht ganz so konsequent eingehalten werden muss oder bei besonderen Anlässen (auswärts Essen, Reisen) vorübergehend sogar ganz aufgegeben werden kann, ohne dass sich die Symptome gleich wieder zurück melden. So kann man hie und da auch wieder ungestraft "sündigen" und geniessen. Also nicht verzweifeln! Wärend der 4-6-wöchigen Versuchsphase sollte man jedoch die Diät möglichst konsequent und ohne Medikamente durchziehen, um sicher zu sein, dass es die Diät ist, welche hilft und nicht bloss die Medikamente.

Auf der Seite Therapie > Medikamente sind die Nahrungsergänzungsmittel und Medikamente sowie deren Anwendung beschrieben.

Entzugssymptome und Verstimmungen

In einzelnen Fällen können nach erfolgter Ernährungsumstellung regelrechte Entzugserscheinungen auftreten, ähnlich wie beim Absetzen von Serotonin-Wiederaufnahmehemmern. Der Körper entwickelt dann einen Heisshunger auf besonders histaminhaltige Lebensmittel. Auch kann es vorkommen, dass allfällige histaminbedingte depressive Verstimmungen oder Depressionen unter der Diät zunächst nicht bessern, sondern gleich bleiben oder leicht zunehmen. Diese beiden Phänomene sind vermutlich nicht so sehr darauf zurückzuführen, dass eine histaminarme Ernährung fad schmeckt, weil die bei der mikrobiellen Reifung entstehenden Aromastoffe fehlen, und man in der Folge aus Sehnsucht nach dem ausbleibenden Geschmackserlebnis depressiv verstimmt würde. Möglicherweise trifft der folgende Erklärungsversuch eher zu: Durch das Weglassen histaminreicher Nahrungsmittel lässt man gleichzeitig auch die serotoninreichen Nahrungsmittel weg. Serotonin ist auch als "Glückshormon" bekannt. Möglicherweise kann das plötzliche Ausbleiben des über die Nahrung zugeführten Serotonins oder seiner Vorstufen im Gehirn Entzugserscheinungen auslösen. Das fein regulierte Gleichgewicht zwischen verschiedenen Neurotransmittern kann durcheinandergeraten und so die Psyche beeinflussen, bis der Körper nach einigen Tagen oder Wochen seinen Stoffwechsel an die veränderte Situation angepasst hat. Es handelt sich folglich nur um eine vorübergehende Erscheinung.

Ergänzende Informationen

Zusätzliche Informationen erhält man auf der Seite Therapie > Histaminpotential.

Die Seite Therapie > Küchentipps enthält Ratschläge, die für den Therapieerfolg entscheidend sein können!

Auch die Liste der unverträglichen Medikamente sollte man konsultieren. Ärztlich verordnete Medikamente jedoch nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt absetzen!


Geführter Rundgang: Weiter zur Seite Therapie > Histaminpotential



Quellenangaben

SIGHIDie auf dieser Seite gemachten Aussagen widerspiegeln die Erfahrungen, die Anschauungen und den Wissensstand des SIGHI-Redaktionsteams.


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