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Krankheit

Symbolbild Krankheit (EKG)


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Bezeichnungen

Zur Benennung dieser Erkrankung wird die Bezeichnung Histamin-Intoleranz am häufigsten verwendet (lateinisch: intolerantia, von tolerare = "ertragen", "aushalten", mit negierender Vorsilbe "in-"). Ebenfalls geläufig ist die Bezeichnung Histamin-Unverträglichkeit, wobei hier Intoleranz und Unverträglichkeit als Synonym betrachtet werden können. Bei der Histaminunverträglichkeit handelt es sich allerdings nicht um eine reine Nahrungsmittelunverträglichkeit, da nebst Nahrungsmitteln auch noch weitere "Histaminlieferanten" wie Medikamente oder Stress Beschwerden verursachen können. Gleichbedeutend ist die Bezeichnung Histaminose oder enterale Histaminose ("enteral" = Aufnahme über den Verdauungstrakt). Etwas allgemeiner spricht man auch von Intoleranz gegenüber biogenen Aminen.

Definitiv falsch ist die Bezeichnung "Histamin-Allergie". Obwohl man Histamin als Abwehrstoff und Allergievermittler verständlicherweise zuerst mit Immunreaktionen in Verbindung bringt, ist bei der Histamin-Intoleranz das Immunsystem nicht involviert. Trotzdem kann es für einen Betroffenen einfacher sein, zu sagen, man habe eine "Allergie", als immer wieder lange und umständlich erklären zu müssen, weshalb man auf so viele Nahrungsmittel verzichten muss. "Allergie" ist ein umgangssprachlich geläufiger Begriff, und dass ein Allergiker den Allergenkontakt unbedingt meiden muss, ist mittlerweile relativ breit und diskussionslos akzeptiert. Insbesondere vom Restaurantpersonal wird man eher ernst genommen, wenn man von einer Allergie statt von einer Unverträglichkeit redet.

Abkürzungen

Gebräuchliche Abkürzungen sind HIT oder HI (für Histamin-Intoleranz) oder neuerdings vereinzelt auch BAI (Intoleranz gegenüber biogenen Aminen, engl.: biogenic amines intolerance). Welcher dieser Abkürzungen soll man den Vorzug geben? Analog zu LI für Laktose- und FI für Fruktose-Intoleranz würde sich hier eigentlich die Zweibuchstaben-Abkürzung HI aufdrängen. Allerdings besteht die Gefahr der Verwechslung mit der Krankheit, welche durch das HI-Virus (HIV) übertragen wird. Die Abkürzung HIT ist ebenfalls bereits anderweitig belegt, denn sie steht auch für Heparininduzierte Thrombozytopenie oder für hochintensives Training. Die Abkürzung BAI ist eigentlich am treffendsten, denn bei einer Histamin-Intoleranz ist es nicht das Histamin allein, welches Probleme macht, sondern eine Vielzahl verschiedener biogener Amine, von welchen das Histamin einfach das prominenteste ist. BAI wird aber als Abkürzung noch kaum verwendet. Wir bleiben daher vorläufig beim gebräuchlichen HIT.

Definition der Histamin-Intoleranz

Man stösst auf unterschiedliche Auffassungen darüber, was eine Histamin-Intoleranz ist und was nicht:

Enzymstörung der DAO

HIT im engsten Sinne wird definiert als eine erworbene oder angeborene Aktivitätsminderung des Enzyms Diaminoxidase (DAO), was einen verlangsamten Abbau von Histamin und anderen biogenen Aminen zur Folge hat.

Abbaustörung

Etwas weiter gefasst kann HIT eine Störung an irgend einer Stelle der verschiedenen Abbauwege von Histamin und anderen biogenen Aminen sein.

Ungleichgewicht im Histaminstoffwechsel

Als HIT im weitesten Sinne kann jegliches zu einem erhöhten Histaminspiegel oder einer verstärkten Histaminwirkung führende Ungleichgewicht im Histaminstoffwechsel verstanden werden. Sowohl eine erhöhte Zufuhr (Nahrung, Darmflora, Freisetzung von körpereigenem Histamin), eine Verminderung der Abbaugeschwindigkeit (Enzymhemmung, Enzymdefekt) oder auch eine Veränderung der Histaminrezeptordichte oder der Rezeptorempfindlichkeit können Ursachen einer histaminvermittelten Symptomatik sein. Diese sehr weit gefasste Definition würde jedoch auch Mastzellerkrankungen und andere eigenständige Krankheiten umfassen, die sich von HIT abgrenzen lassen.

Weiterführende Informationen: Seite Krankheit > Pathomechanismus der Histamin-Intoleranz

Klassifikation

Wie wenig diese Erkrankung bisher von der Medizin beachtet und erkannt wird, zeigt sich auch im medizinischen Klassifikationssystem nach ICD-10, wo sich die Histamin-Intoleranz nicht wirklich zufriedenstellend einordnen lässt. Hier dennoch einige Vorschläge:

"T78.1, Sonstige Nahrungsmittelunverträglichkeit, anderenorts nicht klassifiziert"

Oder man beschränkt sich auf einzelne Symptome der Histaminose. Beispielsweise G44.0 "Cluster-Kopfschmerz" ("Histamin-Kopfschmerzen").

Bei T61 "Toxische Wirkung schädlicher Substanzen, die mit essbaren Meerestieren aufgenommen wurden" gibt es den Unterpunkt T61.1 "Scombroid-Fischvergiftung, Histamin-ähnliches Syndrom".

Häufigkeit (Prävalenz)

Zur Verbreitung der Histaminintoleranz in der Bevölkerung werden verschiedene Zahlen herumgeboten. Mit Abstand am häufigsten abgeschrieben wurde die Angabe, dass 1 % der Gesamtbevölkerung betroffen seien (die Primärquelle konnten wir noch nicht eruieren). Doch bevor wir irgendwelchen Zahlen glauben, müssen wir uns die Frage stellen, ob sich die Menschen überhaupt klar genug in "Betroffene" und "Nichtbetroffene" unterteilen lassen. Die Schwierigkeiten:

Hohe Dunkelziffer vermutet

Wir haben schon mehrfach erlebt und gehört, wie selten es Ärzte schaffen, eine Histamin-Unverträglichkeit richtig zu diagnostizieren bzw. überhaupt an die Möglichkeit zu denken. In der Fachwelt ist zudem erst derjenige Typ der HIT im Gespräch, der durch einen Mangel an DAO-Aktivität verursacht wird. Andere postulierte Störungen des Histaminstoffwechsels werden noch nicht zur Kenntnis genommen. Deshalb gibt es wohl eine erhebliche Dunkelziffer von noch unerkannten Fällen.

Unterschiedliche Schweregrade

Bei der HIT gibt es verschiedene Schweregrade von ganz leicht betroffenen, die nicht viel davon merken, bis zu hoch empfindlichen, bei denen der allerkleinste Diätfehler sehr unangenehme Folgen hat. Grundsätzlich ist jeder Mensch Histamin-intolerant, verglichen mit dem, was Aasfresser wie Löwen oder Hyänen vertragen. Histamin ist ab einer individuellen Toleranzschwelle für jeden Menschen giftig. Ein "Gesunder" spürt das aber nur bei seltenen Extremkombinationen (z.B. viel Rotwein mit Hartkäse und Tomaten und davor vielleicht noch ein Medikament). Der Übergang zwischen "betroffen" und "nicht betroffen" ist fliessend.

Beeinflusst von äusseren Faktoren

Der Grad der Betroffenheit ist auch von den momentan herrschenden Umweltfaktoren bzw. zivilisatorischen "Errungenschaften" (Ernährungsgewohnheiten, Stress, Medikamente, Umweltschadstoffe etc.) abhängig.

Manche sind nur vorübergehend betroffen

Nur wenige sind seit Geburt betroffen. Einige erkranken irgendwann im Laufe des Lebens an dieser meist erworbenen Krankheit, bei anderen Formen ist man sogar nur vorübergehend betroffen, z.B. während Darminfekten, während Medikamenten- oder Alkoholmissbrauch, bei Drogenkonsum etc.

Wo soll man folglich die Grenze ziehen zwischen dem betroffenen und dem nicht betroffenen Teil der Bevölkerung?

Hier dennoch beispielhaft einige Quellen mit Angaben zur Prävalenz:

Hier noch ein paar Zahlen zu Unverträglichkeiten allgemein:

"Nahrungsmittelunverträglichkeiten beeinträchtigen mehr als 20 % der Bevölkerung der Industrieländer. Der Hauptanteil der nicht immunologisch bedingten Formen macht 15 bis 20 % aller Nahrungsmittelunverträglichkeiten aus. Diese Gruppe reicht von den pseudoallergischen Reaktionen über die Enzymopathien bis zu chronischen Infektionen und psychosomatischen Reaktionen, die mit Unverträglichkeitsreaktionen assoziiert werden. Die Prävalenz der Nahrungsmittelallergie, der immunologisch bedingten Unverträglichkeitsreaktion, beträgt nur 2 bis 5 %." [Zopf 2009]


Geführter Rundgang: Weiter zur Seite Krankheit > Histaminstoffwechsel



Quellenangaben

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Jarisch 2004Jarisch, Reinhart: "Histamin-Intoleranz, Histamin-Intoleranz und Seekrankheit", Thieme-Verlag, 2. Auflage, 2004. ISBN 3-13-105382-8
Kofler et al. 2009H. Kofler, W. Aberer, M. Deibl, Th. Hawranek, G. Klein, N. Reider und N. Fellner: "Diaminoxidase keine diagnostische Hilfe bei Histaminintoleranz", Allergologie, vol. 32, no. 3, pp. 105–109, 2009.
http://www.dustri.com/nc/de/deutschsprachige-zeitschriften/mag/allergologie/vol/jahrgang-32-3/issue/maumlrz-1.html (Nur Abstract kostenlos abrufbar)
Schleip 2006Thilo Schleip: "Richtig einkaufen bei Histamin-Intoleranz", ISBN: 3830433190, Trias-Verlag.
Zopf 2009Zopf, Yurdagül; Baenkler, Hanns-Wolf; Silbermann, Andrea; Hahn, Eckhart G.;Raithel, Martin: "Differenzialdiagnose von Nahrungsmittelunverträglichkeiten / The Differential Diagnosis of Food Intolerance". Dtsch Arztebl Int 2009; 106(21): 359-69
Wurzinger 2007Dr. Wurzinger, Gerd; zitiert im Artikel "»Allergie« ohne Immunreaktion, Histamin-Intoleranz" der Österreichischen Allgemeinen Zeitung ÖAZ, Ausgabe 01/2007. http://www.apoverlag.at/oeaz/zeitung/3aktuell/2007/01/info/info01_2007histamin.html, abgerufen am 1.1.2010.