![]() | Schweizerische Interessengemeinschaft Histamin-Intoleranz (SIGHI) |
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Eine Histamin-Intoleranz ist oft Begleiter anderer Unverträglichkeiten, Allergien oder weiteren Krankheitsbildern. Ob die Histaminintoleranz Ursache oder Folge anderer Erkrankungen ist, ist noch weitgehend ungeklärt. Sicher ist nur, dass vieles irgendwie zusammenhängt.
Echte Allergien sind häufige Begleiterkrankungen der Histamin-Intoleranz. Begünstigt ein zu hoher Histaminspiegel die Entstehung von Allergien? Wir beobachten, dass (Pollen-)Allergiker bei hohem Histaminspiegel (ausgelöst durch Ernährung, Luftschadstoffe, Stress etc.) heftiger auf Allergene reagieren als bei niedriger Histaminbelastung. In Ergänzung zu einer aktuellen Theorie, wonach Luftschadstoffe die Pollen so verändern, dass sie stärker allergen wirken, sollte deshalb auch untersucht werden, ob Luftschadstoffe körpereigenes Histamin freisetzen und auf diese Weise zusätzlich die Auslöseschwelle für Allergien herabsetzen. Für Allergiker könnte es sich lohnen, auszuprobieren, ob sie ebenfalls von einer histaminarmen Diät profitieren.
Histamin ist erwiesenermassen ein Gewebshormon, das an der Wundheilung mitbeteiligt ist. Personen mit HIT, insbesondere vom Typ HNMT (und vermutlich auch Personen mit Mastzellerkrankungen / Mastzellaktivitätssyndrom) leiden oft unter Aphthen (sprich: "Aften"). Nach unserer Auffassung treten sie auf, wenn Histaminliberatoren (z.B. bestimmte Konservierungsstoffe) den intrazellulären Histaminspiegel ansteigen lassen und im gleichen Zeitraum der Mundschleimhaut Mikroverletzungen zugefügt werden, z.B. durch scharfkantige Nahrungsmittel (Chips, Brotrinde und dergleichen). Einzelne dieser Mikroverletzungen heilen dann nicht richtig ab, sondern werden zu einer Aphthe, die höllisch schmerzt (um mehrere Grössenordnungen stärker als eine Wunde) und tage- bis wochenlang nicht mehr abheilt. Mit dem strikten Vermeiden sämtlicher Histaminliberatoren lässt sich das erneute Auftreten von Aphthen nach unserer Erfahrung zuverlässig vermeiden. Folglich könnte der verlangsamte intrazelluläre Histaminabbau über die HNMT eine mögliche Ursache der Entstehung von Aphthen sein. Aphthen wären demnach als eines der möglichen Symptome einer Histamin-Intoleranz zu deuten.
Beeinflusst Histamin die Entstehung von Autoimmunerkrankungen?
"Mast cells appear to participate in Type IV hypersensitivity reactions including multiple sclerosis and its experimental counterpart, EAE in mice [...]. There are numerous reports of correlations between progression of disease and localization of mast cells [...]. Other autoimmune disorders thought to be influenced by mast cells, but less well studied in this regard, are type 1 diabetes, Guillain–Barré syndrome, scleroderma, ulcerative colitis, Crohn's disease, Sjögren's syndrome, chronic idiopathic urticaria, and thyroid eye disease. As reviewed in detail by others [...], the evidence to date is circumstantial and is based on the presence of mast cells or activated mast cells in the affected tissues." [Beaven 2009]
ADHS = Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung, im Volksmund auch ADS genannt für Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom mit und ohne Hyperaktivität.
Bei einer nahrungsmittelinduzierten ADHS-Symptomatik hat sich die oligoantigene Diät als hilfreich erwiesen [Pelsser et al. 2011; ADHS Deutschland e.V.]. Diese Diätform basiert auf der Annahme, dass die Ursache eines ADS in einer vermuteten Lebensmittelallergie zu suchen sei, ohne aber bestimmte Auslöser benennen zu können. Man beschränkt sich deshalb bei der Ernährung auf ein Minimum an Lebensmitteln, die nur in seltenen Fällen Allergien auslösen (= Basislebensmittel). Diese Ernährungsform gleicht stark der Eliminationsdiät bei HIT.
Rund 10% aller Frauen sollen von Endometriose betroffen sein. Nicht alle merken etwas davon, da die Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut, die auch andere innere Organe befallen kann und zu Verwachsungen führen kann, nicht immer mit Schmerzen verbunden ist und nicht zwingend zu ungewollter Kinderlosigkeit führen muss. Eine kleine, nicht repräsentative Umfrage unter HIT-Betroffenen hat ergeben, dass vielleicht etwa die Hälfte angibt, auch an Endometriose zu leiden. Die übrigen Befragten sind Männer oder haben die Endometriose nicht abklären lassen bzw. haben noch nie davon gehört. Umgekehrt spricht es sich unter den Endometriose-Patientinnen langsam herum, dass eine Histamin-Eliminationsdiät die Endometriosesymptome merklich lindert [ÖEV]. Wir gehen deshalb nach unserem derzeitigen Wissensstand davon aus, dass die Endometriose möglicherweise keine eigenständige Krankheit, sondern lediglich eines der zahlreichen Symptome einer HIT ist. Vermutlich trägt eine Funktionsminderung der HNMT stärker zur Entstehung einer Endometriose bei als eine Funktionsminderung der DAO, indem ein chronisch zu hoher Spiegel des Gewebehormons Histamin zu den bei Endometriose auftretenden Verwachsungen führt. Die bei Endometriose oft auftretenden depressiven Verstimmungen oder Depressionen wären demzufolge nicht wie bislang vermutet eine Folge der psychischen Belastung durch die Krankheit, sondern ebenfalls als ein Symtom des chronisch zu hohen Histaminspiegels zu interpretieren. Wir kennen jedoch noch keine Studie, in der dies untersucht worden wäre.
Die Unverträglichkeit von Fructose (Fruchtzucker) ist eine häufige Begleiterkrankung der Histamin-Intoleranz.
Die Unverträglichkeit von Lactose (Milchzucker) ist eine häufige Begleiterkrankung der Histamin-Intoleranz.
Eine Gruppe von Histamin freisetzenden Erkrankungen wird im Englischen unter dem Begriff Mast cell activation disease (MCAD) zusammengefasst [Molderings et al. 2011]. Eine davon, das Mastzellaktivitätssyndrom (engl.: mast cell activation syndrome MCAS), ist eine der Histamin-Intoleranz vom Typ HNMT sehr ähnliche Erkrankung. Verschiedene Ursachen können dazu führen, dass Mastzellen vermehrt Mediatoren freisetzen. Im Unterschied zum Typ HNMT führt folglich nicht eine intrazelluläre Abbaustörung von Histamin, sondern eine übermässige Freisetzung von Histamin und über 60 weiteren Mastzellmediatoren unter anderem zu einem erhöhten Histaminspiegel. Dies bewirkt eine ähnlich gelagerte Symptomatik.
Die systemische Mastozytose ist eine der Histamin-Intoleranz in gewisser Weise ähnliche Erkrankung, bei der es zu Anhäufungen von Mastzellen in der Haut oder in den inneren Organen kommt.
Betroffene mit einer HIT vom Typ HNMT können oft beobachten, dass es ihnen bei rasch und lang anhaltend sinkendem Luftdruck, also typischerweise beim Herannahen einer Schlechtwetterfront, oft deutlich schlechter geht als bei stabilen Wetterlagen oder bei steigendem Luftdruck. Man fühlt sich ähnlich wie nach der Einnahme eines Histaminliberators, auch wenn man keinen Diätfehler gemacht hat. Der ganze Körper oder einzelne Körperstellen tun weh, wie wenn man Rheuma hätte oder wie wenn man am Tag nach einem grossen Kraftakt Muskelkater oder leichte Muskelzerrungen spüren würde (oft auch Rückenschmerzen, Nackenschmerzen ("Halskehre")). Auch Konzentrationsstörungen und verminderte geistige und körperliche Leistungsfähigkeit treten auf. Im Extremfall fühlen sich einzelne sogar den ganzen Tag, als würde gerade eine Grippe ausbrechen und das Fieber in die Höhe schnellen (aber das Thermometer zeigt Normaltemperatur oder höchstens geringfügig erhöhte Werte, und eine Blutuntersuchung beim Arzt zeigt keine Anzeichen für eine Infektion). Nachdem die Frontlinie eingetroffen ist, also dann wenn der Wind auffrischt, die Windrichtung ändert und sich das Starkniederschlagsband und die teils eingelagerten Gewitter über einem austoben, fühlt man sich innert kurzer Zeit wieder wie neu geboren. Das ist genau der Zeitpunkt, wo auch der Luftdruck jeweils wieder zu steigen beginnt. Je stärker und schneller der Luftdruckabfall, desto ausgeprägter sind die Symptome. Verstärkt werden sie noch bei vorheriger oder gleichzeitiger Einnahme von Histaminliberatoren, bei Stress oder bei starker körperlicher Anstrengung.
Besonders im Sommer ist zudem fast jeden Tag ein kleines Nachmittagstief in Form einer deutlichen Delle in der Luftdruckkurve zu beobachten, während gleichzeitig auch unsere Leistungsfähigkeit ein solches Nachmittagstief aufweist. Oft beginnt der Luftdruck um die Mittagszeit zu sinken, erreicht zwischen 16 Uhr und 18 Uhr ein Minimum und steigt dann wieder an. Das kommt daher, dass die Sonne die Luftmassen über dem kontinentalen Festland tagsüber erwärmt und so ein temporäres "Hitzetief" verursacht, bis am späten Abend die Kraft der Sonne nachlässt und die Lufttemperatur wieder abnimmt. Deshalb schläft man manchmal am späteren Nachmittag fast ein am Bürotisch und kann kaum noch gegen das Leistungstief ankämpfen, ist dann aber nach Feierabend plötzlich wieder fit und abends gar nicht mehr Müde. (Verstärkt wird der Effekt noch durch das stressbedingt im Nervensystem freigesetzte Histamin, das sich während dem Arbeitstag ansammelt und ebenfalls erst nach Feierabend wieder abnimmt.)
Unser Erklärungsversuch: Bei sinkendem Luftdruck muss der im Inneren der Mastzellen-Vesikel entstehende Überdruck (relativ zum gesunkenen Aussendruck) ausgeglichen werden, indem Flüssigkeit aus den Vesikeln austritt, oder vielleicht führt der Druckunterschied sogar zur Degranulation von einzelnen instabilen Mastzellen. Da diese Flüssigkeit Histamin und weitere Entzündungsmediatoren enthält und der intrazelluläre Abbau durch die HNMT verlangsamt ist, führt das zu Beschwerden im ganzen Körper. Ob schon einmal jemand an diese Möglichkeit als Erklärung für das Phänomen der Wetterfühligkeit gedacht hat, entzieht sich unserer Kenntnis. Aus der Literatur ist uns nichts Näheres dazu bekannt.
Hier können Sie beobachten, ob Ihr Befinden zum Verlauf der Luftdruckkurve passt:
| Karte Wetterstationen Schweiz: | Station SMA Zürich Fluntern: |
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| www.meteoschweiz.admin.ch (Auf der Karte eine Station in der Nähe Ihres Aufenthaltsortes anklicken.) | Direktlink zu aktuellen Luftdruck-Werten![]() |
Achtung: Die Kurve wird so eingepasst, dass der tiefste und der höchste Wert immer die gesamte Bildfläche genau ausfüllen, egal wie gross die Differenz zwischen dem Minimum und dem Maximum ist. An Tagen mit konstantem Luftdruck können deshalb schon geringfügige Änderungen sehr markant aussehen. Deshalb immer anhand der Skala am linken Bildrand die tatsächliche Druckdifferenz in der Einheit hPa (=mbar) ausrechnen. Als grober Erfahrungswert könnte ein Druckabfall von 5-15 hPa innerhalb von 24 h bereits sehr deutlich spürbar sein. Das ist jedoch stark abhängig vom individuellen Schweregrad der Wetterfühligkeit.
| Luftdruck Vorhersage Schweiz: |
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| www.meteocentrale.ch/de/wetter/profiwetter/luftdruck/schweiz.html |
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| ADHS Deutschland e.V. | ADHS Deutschland e. V., Poschingerstraße 16, D-12157 Berlin: "Nahrungsmittelinduzierte ADHS-Symptomatik", www.adhs-deutschland.de --> Ernährung, abgerufen am 30.1.2011. |
| Beaven 2009 | Beaven, Michael A.: "Our perception of the mast cell from Paul Ehrlich to now", Eur J Immunol. 2009 January; 39(1): 11–25.www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2950100/?tool=pubmed |
| Molderings et al. 2011 | Molderings, Gerhard J; Brettner, Stefan; Homann, Jürgen; Afrin, Lawrence B: "Mast cell activation disease: a concise practicalguide for diagnostic workup and therapeutic options". Journal of Hematology & Oncology 2011, 4:10 http://www.jhoonline.org/content/pdf/1756-8722-4-10.pdf, abgerufen am 05.06.2011. |
| ÖEV | ÖEV - Österreichische Endometriose Vereinigung: "Endometriose und Ernährung – therapeutische Ansatzpunkte", www.endometriose-wien.at/ernaehrung.htm, abgerufen am 5.2.2011. |
| Pelsser et al. 2011 | Pelsser, Lidy M. et al.: "Effects of a restricted elimination diet on the behaviour of children with attention-deficit hyperactivity disorder (INCA study): a randomised controlled trial", The Lancet, Volume 377, Issue 9764, Pages 494 - 503, 5 February 2011.www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(10)62227-1/abstract doi:10.1016/S0140-6736(10)62227-1 (Bericht im Deutschen Ärzteblatt) |
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